1)   Luis de Briceno - Folias

11) Sigismondo d'India - O primavera, gioventu dell'anno

2)   Giullio Caccini - Dolcissimo sospiro

12) Mateo Romero - Romerico Florido

3)   Michel Lambert - Vos mespris

13) Cosimo Bottegari - Ave Maria

4)   Barbara Strozzi - Lagrime Mie

14) Georg Ph. Telemann - Das Frauenzimmer

5)   Pier Francesco Cavalli - Piante ombrose

15) Giullio Caccini - O che felice giorno

6)   Luigi Rossi - Orfeo, mio dolce Orfeo

16) Sigismondo d'India - Intenerite voi lagrime mie

7)   Michel Lambert - Ma bergere est tendre et fidelle

17) Girolamo Frescobaldi - Cosi mi disprezzate?

8)   Claudio Monteverdi - A Dio Roma

18) Girolamo Frescobaldi - La mia pallida faccia 

9)   Giullio Caccini - Amarilli mia bella

19) Der Rheinsche Wein tanzt gar zu fein

10) Giullio Caccini - Amor ch´attendi 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Luis de Briceno (Mitte 17. Jh)

Folias

 

 

Volaba la palomita por encima del verde limón,

Das Täubchen flog über den grünen Zitronenbaum,

con las alas aparta las ramas,  con el pico lleva la flor.

mit den Flügeln legte es die Zweige beiseite,

 

in dem Schnabel trug es die Blume.

 

 

Arrojóme las manzanetas por enzima del manzanar,

Die Äpfelchen wurden mir über die Bäume geworfen.

arrojómelas y arrojéselas y tornómelas a arrojar.

Er warf sie mir, ich warf sie ihm, und er warf sie mir wieder zurück.

 

 

Si jamás duermen mis ojos, madre mía?qué harán?

Wenn meine Augen nie schlafen, meine Mutter, was machen sie dann?

Que como amor los devela, pienso que se morirán.

Da Liebe sie wach halten, denke ich, sie werden sterben.

 

 

Quien dijo muerte al amor, libre de pesares era ;

Wer sagte , „Die Liebe soll sterben“ , dachte, Pein sei vorbei,

mejor dijera dolor y más natural le fuera.

er hätte besser „Schmerz“ gesagt, und Recht behalten.

 

 

Una mora en mí enamora, por ser mora de nación,

Eine Mohrin stahl mein Herz, eine Mohrin aus dem Süden.

mas no es mora pues que mora dentro de mi corazón..

 

Aber sie ist keine Mohrin, da sie herrscht in meinem Herzen.

 

 

 

 

 

Giulio Caccini (1550-1618)

Dolcissimo sospiro

 

 

 

Dolcissimo sospiro, ch`esci da quella bocca

Süßer Seufzer der Liebe, du kommst aus dem geliebten Munde,

ove d`amor ogni dolcezza fiocca.

wo alle Süße der Liebe entfleucht.

 

 

Deh, vieni a raddolcire

Ach, bitte komm und versüße

l`amaro mio dolore.

die Bitterkeit meines Schmerzes.

Ecco, ch`io t`apro il core.

Hier bin ich, dir das Herz zu öffnen.

 

 

Ma, folle, a chi ridico il mio martire?

Doch es ist sinnlos. Wer erhört meine Qual?

Ad un sospiro errante,

Nicht ein irrender Seufzer,

che forse vola in sen ad altro amante.

der vielleicht zu dem Herzen eines anderen Liebenden fliegt?

 

 

 

 

 

Michel Lambert (ca. 1610-1696)

Vos mespris

 

 

 

Vos mespris chaque  jour me causent mille allarmes,

Eure Missachtung jeden Tag bringt mir tausend Schrecken.

mais je cheris mon sort, bien qu`il soit rigoureux.

Doch ich preise mein Schicksal, auch wenn es hart ist.

 

 

Helas ! si dans mes maux je trouve tant de charmes,

Ach, wenn ich schon in meinem Leid soviel Lust finde,

je mourrois de plaisir, si j`estois plus heureux..

würde ich vor Entzücken sterben, wenn ich noch glücklicher wäre.

 

 

 

 

Barbara Strozzi (1619- ca. 1664)

Lagrime mie

 

 

 

Lagrime mie a che vi trattenete?

Meine Tränen, warum haltet ihr euch zurück?

 Perché non sfogate il fier dolore

 Warum lässt der schmerzhafte Stolz euch nicht laufen,

 che mi toglie l` respiro e opprime il core?

 der mir meine Seufzer wegnimmt und mein Herz bedrückt?

 

 

 Lidia, che tant`adoro

 Lidia, die ich anbete!

 per un guardo pietoso, ahi! mi donò,

 Weil sie mir einen mitleidigen Blick gab,

 il paterno rigor l`imprigionò:

 hat ihr strenger Vater sie eingesperrt.

 tra due mura rinchiusa

 Zwischen zwei Mauern eingeschlossen

 sta la bella innocente, 

 verweilt die schöne Unschuldige,

 dove giunger non può raggio di sole.

 wo kein Sonnenstrahl sie erreichen kann.

 E quel che più mi duole,

 Dass meine Gute durch meine Schuld Schmerzen erfährt,

 ed accresc` al mio mal tormenti e pene,

  bedrückt mich sehr und vermehrt meine Qualen und Pein.

 è che per mia cagione

 Schmerzende Augen, könnt ihr nicht weinen?

 Lagrime mie, a che vi trattenete?

 Meine Tränen, warum haltet ihr euch zurück?

 

 

Lidia ahimé! veggo mancarmi

Lidia, ich sehe, dass sie mir fehlt.

l`idol mio che tanto adoro:

Mein Idol, das ich so anbete.

sta colei tra duri marmi

Sie ist zwischen harten Mauern eingesperrt.

per cui spiro e pur non moro.

Ich fühle mich sterbend, doch ich sterbe nicht.

 

 

Se la morte m`è gradita,

Da der Tod mir angenehm ist,

hor che son privo di speme,

bin ich hoffnungslos.

deh! toglietemi la vita,

Bitte nehmt mir dass Leben.

ve ne prego, aspre mie pene.

 

 

 

Ma ben m`accorgo che, per tormentarmi

Aber ich bemerke, dass, um mich mehr zu quälen,

maggiormente, la sortemi niega anco la morte.

mein Schicksal den Tod negiert.

 

 

Se dunque è vero, oh Dio!

Es ist also wahr,

che sol del pianto mio il rio destino ha sete,

dass das böse Schicksal durstig ist nach meinen Tränen.

lagrime mio …

Meine Tränen, warum haltet ihr euch zurück? ...

 

 

 

 

 

Pier Francesco Cavalli (1602-1676)

Piante ombrose

 

 

 

Piante ombrose,

 Schattige Pflanzen,

dove sono i vostri honori?

wo sind sie?

Vaghi fiori

Wo sind eure Ehren?

da la fiamma, inceneriti,

Anmutige Blumen,

colli, e liti

von der Flamme eingeäscherte und

di smeraldi già coperti,

von Smaragden  bedeckte Hügel,

hor deserti

jetzt seid ihr dürr.

 

 

del suo verde, io vi sospiro:

Von seinem Grünen seufze ich euch:

dove giro, calda il piede,

 Wohin ich warm den Fuß drehe,

e sitibonda, trovo l`onda

durstig finde ich die Quelle,

rifuggita entro la fonte, né la fronte

die wieder in die Quelle geflohen ist;

bagnar posso, il labbro ardente.

die brennenden Lippen kann ich in der Quelle anfeuchten.

 

 

Inclemente: sì, sì, inclemente!

Erbarmungslos, ja, erbarmungslos!

Chi tuona arde la terra?

Derjenige, der donnert, verbrennt die Erde?

Non più Giove, ah, non più guerra!

Nicht mehr Jupiter, ah nein, nicht mehr Krieg!

 

 

 

 

 

Luigi Rossi (1598-1653)

Orfeo, mio dolce Orfeo

 

 

 

Orfeo, mio dolce Orfeo

Orpheus, mein süßer Orpheus,

ha ben potuto, ohimè, nemica sorte

hat das feindliche Schicksal gut geschafft,

far del nostro gioir l`hore sì corte,

von unserer Freude die Stunden so abzukürzen;

 

 

ma non potrà già far

es wird aber nicht erreichen,

che l`alma mia in eterno non t`ami

dass meine Seele dich nicht ewig liebt,

e tua non sia:

und ich nicht für immer zu dir gehöre:

 

 

e non si scorge ancora?

Lässt er sich noch nicht blicken?

Ahi, che più sempre s`addensano

Ah, immer mehr ziehen sich die Schwärzen

le tenebre ai miei lumi.

n meinen Lichtern zusammen.

 

 

O Ninfe, o Cieli, o Numi,

Oh Nymphen, oh Himmel, oh Götter!

e negar si potea

So könnt ihr von meinem Tod

al mio morir quest`ultimo conforto,

diesen letzten Trost wegnehmen,

d`una sol volta almen veder Orfeo?

ein einziges letztes Mal Orpheus zu sehen?

 

 

Ah, ch`io moro e non giunge:

Ah! Ich sterbe und er kommt nicht;

Orfeo, ben mio,

Orpheus, mein Wohl,

prendi l`estremo addio.

nimm den letzten Abschied.

 

 

 

 

 

Michel Lambert (ca. 1610-1696)

Ma bergère est tendre et fidelle

 

 

 

Ma bergère est tendre et fidelle,

Meine Hirtin ist zärtlich und treu.

mais helas !

Aber ach,

Son amour n`egale pas le mien.

ihre Liebe gilt nicht mir.

 

 

Elle aime son troupeau, sa houlette et son chien,

Sie liebt ihren Stab und ihren Hund,

et je ne scaurois aime qu`elle.

und ich kann nur sie allein lieben.

 

 

 

 

 

Claudio Monteverdi (1567-1643)

A Dio Roma

 

 

 

Addio Roma,

Lebe wohl Rom!

addio Patria,

Lebe wohl Vaterland!

amici, addio,

Lebt wohl Freunde!

Innocente da voi partir con viene,

Es lohnt sich, unschuldig von euch wegzugehen.

vado a patir l`esilio, in pianti amari,

Ich gehe, mit bitterlichen Tränen die Verbannung zu erleiden.

navigo disperata i sordi mari.

Verzweifelt befahre ich die dumpfen Meere.

 

 

L`aria, che d`hora in hora riceverà i miei fiati,

Die Luft, die Stunde nach Stunde meinen Atem bekommen wird,

li porterà per nome del cor mio

wird den im Namen meines Herzens dahin bringen,

a veder, a baciar le patrie mura,

die Mauer der Heimat zu sehen und zu küssen.

et io starò solinga,

Und ich werde alleine sein,

alternando le mosse ai pianti ai passi,

während ich Bewegungen, Tränen und Schritte abwechseln werde,

insegnando pietade ai freddi sassi.

während ich den kalten Steinen Barmherzigkeit beibringen werde.

 

 

Remigate hoggi mai, perverse genti,

Rudert heute, perverse Völker…

allontanarmi da gl`amati lidi.

Mich entfernen, mich von den geliebten Stränden entfernen…

Ahi, sacrilego duolo,

Ah, frevelhafte Schmerzen,

tu m`interdici il pianto, quando lascio la patria,

du, du verbietest mir das Weinen, während ich das Vaterland verlasse,

nè stillar una lacrima poss`io;

und auch darf keine einzige Träne in meine Augen treten,

mentre dico ai parenti,

während ich zu den Verwandten und zu Rom sage…

 

Lebt wohl!

 

 

 

 

 

Giulio Caccini

Amarilli mia bella

 

 

 

Amarilli mia bella,

Amarillis, meine Schöne,

non credi, oh del mio cor dolce desìo,

du glaubst nicht, süße Lust meines Herzens,

d`esser tu l`amor mio?

dass du meine Liebe hast?

 

 

Credilo pur, e se timor t`assale,

Du kannst es ruhig glauben, und wenn dich Unsicherheit befällt,

prendi questo mio strale,

nimm diesen Pfeil,

 

 

aprimi il petto, e vedrai scritto il core:

öffne meine Brust und sieh` im Herzen geschrieben:

Amarilli è il mio amore!

„ Amarillis ist mein Leben“

 

 

 

 

 

Giulio Caccini

Amor ch`attendi

 

 

 

Amor ch`attendi? Amor che fai?

Amor warum wartest du, Amor was machst du?

Su, che non prendi gli strali omai;

Auf , warum nimmst du nicht endlich deine Pfeile?

Amor vendetta, Amor saetta

Rache Amor! Amor, schieß` deine Pfeile ab

quel cor ch`altero sdegna `l tuo impero.

gegen das Herz, dass hochmütig dein Reich verachtet.

 

 

Amor possente Amor cortese

Mächtiger Amor, gefälliger Amor!

dirà la gente  pur arse e prese

Die Leute, wenn sie auch versengt und entflammt sind, werden sagen,

quella crudele, che, di querele

dass dieser Grausame, der nach Schmerzen

vaga e di pianti schernìa gli amanti.

und Tränen begierig ist, die Liebenden verhöhnt.

 

 

Dall`alto cielo fulmina Giove,

Vom hohen Himmel sendet Jupiter Blitze.

l`Arcier di Delo saette piove,

Der Bogenschütze aus Delos lässt Pfeile regnen;

ma lo stral d`oro s`orni d`alloro

möge der goldene Pfeil mit Lorbeeren geschmückt werden;

che di possanza ogni altro avanza.

denn der ist mächtiger als jeder andere.

 

 

 

 

 

Sigismondo D`India (1582-1629)

O primavera, gioventù dell`anno

 

 

 

  O primavera,

 O Frühling,

 gioventù dell`anno,

 Jugend des Jahres,

 bella madre de fiori,

 hübsche Mutter der Blumen,

 d`erbe novelle e di novelli amori,

 des neuen Grases und der neuen Liebe,

 tu torni ben,

 du kehrst doch zurück,

 

 

 ma teco non tornano i sereni

 aber die heiteren und glücklichen Tage

 e fortunati dì de le mie gioie;

 meiner Freuden kehren nicht mit dir zurück,

tu torni ben,

du kehrst doch zurück,

ma teco altro non torna

aber nur die traurige und schmerzhafte Erinnerung

che del perduto mio caro tesoro

meiner verlorenen teuren Liebe

la rimembranza misera e dolente.

kommt mit dir zurück.

 

 

Tu quella sei, tu quella

Du bist diejenige,

ch`eri pur dianzi sì vezzosa e bella;

die gerade so hübsch und reizend war,

ma non son io giá quel

aber ich bin nicht mehr jener,

che un tempo fui si caro a gli occhi altrui.

der einmal so lieblich in den Augen anderer war.

 

 

 

 

 

Mateo Romero (1575-1674)

Romerico florido

 

 

 

Romerico florido coge la niña

Blühendes Rosmarin pflückt das Mädchen

y el amor de sus ojos perlas cogía.

Und die Liebe ihrer Augen hat alles zu Perlen verwandelt.

Las que es lucero de nuestro lugar

Diejenige, die unser Morgenstern ist,

flores va a buscar de amor verdadero

sucht Blumen wahrer Liebe.

 

 

y la del romero,

Und die Rosmarinblüten,

que es  azul y blanca,

die weiß und blau sind,

cual la mano franca

wie die ehrbare Hand,

de quien la coge.

die sie pflückt.

Coge la niña…

Pflückt das Mädchen..

 

 

 

 

 

Cosimo Bottegari (ca.1554-1620)

Ave Maria

 

 

 

Ave Maria, gratia plena,

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,

dominus tecum,

der Herr ist mit dir,

benedica tu in mulieribus,

du bist gebenedeit unter den Frauen,

et benedictus fructus ventris tui, Jesus.

und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

 

 

Sancta Maria,

Heilige Maria, Mutter Gottes,

ora pro nobis peccatoribus,

bitte für uns Sünder

nunc et in hora mortis nostre.

jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.

Amen.

 

 

 

 

 

Georg Ph. Telemann (1681-1767)

Das Frauenzimmer

 

 

 

Das Frauenzimmer

verstimmt sich immer

nach Luft und Wind.

Drum schade vor die Männer,

die keine rechten Kenner

vom Stimmen sind.

 

Die meisten Männer

sind schlechte Kenner

von Melodie.

Drum schade vor die Frauen,

die ihnen sich vertrauen

zur Harmonie.

 

 

 

 

 

Giulio Caccini

O che felice giorno

 

 

 

O che felice giorno,

O welch glücklicher Tag!

o che lieto ritorno,

O welch fröhliche Wiederkunft

ravviva il cor già spento.

belebt das schon erloschene Herz.

Quanta dolcezza sento!

Wie viel Zärtlichkeit fühle ich,

 O mia luce, o mia vita,

o mein Licht , o mein Leben,

o mia gioia infinita.

o meine unendliche Freude.

 

 

Ecco `l mio ben ritorna,

Jetzt kehrt meine Geliebte zurück

e queste rive adorna;

und schmückt diese Ufer.

eccone lieto il giro

Hier schickt sie froh Ihren schönen Blick,

del bel guardo ch`io miro.

den ich bewundere, umher.

Occhi belli, occhi cari,

Schöne Augen, liebe Augen,

occhi del sol più chiari.

klarer als die Sonne.

 

 

Hor ben prov`io nel petto

Jetzt fühle ich in meiner Brust

non dolor  ma diletto:

keinen Schmerz, nur Freude.

Torna la chiara e bella

Mein klarer, schöner, leuchtender Stern

mia rilucente stella,

kehrt wieder,

torna il sol, torna l`aura,

die Sonne kehrt wieder, die Luft kehrt wieder,

torna chi mi restaura.

sie, die mich heilt, kehrt wieder.

 

 

 

 

 

Sigismondo D`India

Intenerite voi, lagrime mie

 

 

 

 Intenerite voi, lagrime mie,

Ihr Tränen,

intenerite voi quel duro core,

erweicht das harte Herz,

che in van percosse Amore

das die Liebe umsonst berührte.

versate a mille a mille,

Bildet ein Meer

fate di pianto un mar,

aus tausenden von Tränen,

dolenti stille;

ihr schmerzlichen Tropfen.

 

 

o che `l mio vago scoglio

Mein Stolz und mein Hochmut

d`alterezza e d`orgoglio

sind ein Fels.

ripercosso da voi

Ihr Tropfen,

men duro sia,

erweicht ihn

o sen esca con voi

und befreit den Weg

l`anima mia.

meiner Seele.

 

 

 

 

 

Girolamo Frescobaldi (1583-1643)

Cosi mi disprezzate?

 

 

 

 Così mi disprezzate?

So verachtet Ihr mich denn?

Così voi mi burlate?

So verhöhnt Ihr mich?

Tempo verrà, ch`Amore

Der Tag wird kommen,

farà di vostro core

wenn Liebe eurem Herzen antun wird,

quel che fate del mio.

was Ihr dem meinigen zugefügt habt.

Non p parole, addio.

Kein weitres Wort, adieu.

 

 

Datemi pur martiri,

Gebt weiter Qualen mir.

burlate i miei sospiri,

Bespottet mein Verlangen,

negatemi mercede,

verweigert Güte mir

oltraggiate mia fede,

und schmähet meine Treue,

ch`in voi vedrete poi

an Euch selber wird fortan

quel che mi fate voi.

gescheh`n, was Ihr mir angetan.

 

 

Beltà sempre non regna,

Nicht ewig lebt Schönheit fort,

e s`ella pur v`insegna

auch wenn sie jetzt Euch lehrt

a dispregiar mia fé,

mich zu verachten

credete pur a me,

ob meiner Treu, doch glaubt,

che s`oggi m`ancidete,

dass, wenn Ihr heut mich quält,

doman vi pentirete.

Ihr morgen darob Leid erfahrt.

 

 

Non nego già ch`in voi

Ich leugne nicht,

Amor ha i pregi suoi,

dass sich in Euch viele Werte der Liebe vereinen.

ma so che `l tempo cassa

Aber ich weiß, dass Zeit Schönheit verändert,

beltà che fugge e passa,

sie verblassen und vergehen lässt:

se non volete amare,

Wenn Ihr nicht lieben wollt,

io non voglio penare.

bleibt mir Schmerz erspart.

 

 

Il vostro biondo crine,

O, Eure blonden Locken,

le guance purpurine,

Eure rosigen Wangen

veloce più che maggio

werden vergänglicher sein,

tosto faran passaggio.

als der Monat Mai..

Prezzategli pur voi,

So prahlt denn jetzt,

ch`io riderò ben poi.

ich werde später lachen.

 

 

 

 

 

Girolamo Frescobaldi

La mia pallida faccia

 

 

 

La mia pallida faccia

Mein schneeweiß` Antlitz

è lingua di pietà,

Ist barmherz`ge Zunge,

e qual per voi mi sfaccia,

was mich für euch zerfrisst,

a voi narrando va,

verrät es euch,

e bench`io taccia del petto mio

und wenn ich euch verschweig`

l`incendio rio,

das böse Feuer in meiner Brust,

pur ognunu se `l vede,

so sieht es doch ein jeder,

ogn`uomo il sa,

kennt es doch jedermann.

sol da voi non si crede

Nur bei euch ist kein Glaube,

infinita bellezza e poca.

ew`ge Schönheit, und wenig Treu`.

 

 

 I miei sospiri ardenti

Meine Seufzer, die heissen,

 del chioso ardor fansi

werden hitz`ger kommen,

 le lagrime cocenti

und meine glühenden Tränen

 son pur faville, ohime

sind funkengleich, weh mir;

 e ben ch'io tenti

und wenn ich auch versuche,

 in parte oscura

an dunklerem Ort

 più chiaro del mio foco

die Hitze zu dämpfen,

 il sol non è.

ist doch nicht stärker die Sonne denn meine Glut;

 Pur da voi non si crede

doch bei euch ist kein Glaube,

 infinita bellezza, e poca fede.

ew`ge Schönheit, und wenig Treu`.

 

 

 

 

 

Adam Krieger (1634-1666)

Der Rheinsche Wein tanzt gar zu fein

 

 

 

Seht doch wie der Rheinwein tanzt,

in dem schönen Glase,

wie er hin und wieder ranzt,

und kreucht in die Nase,

dass man vom Geruche bald,

dumm und dämsch muss werden,

nein, was hat er vor Gewalt

über uns auf  Erden.

 

Lieber Rheinwein küsse mich,

mit verliebten Scherzen,

ich hingegen werde dich

weidlich wieder herzen.

Drücke doch die beste Kraft

Von der Berge Klippen,

nämlich deinen Rebensaft

dicht an meine Lippen.

 

Du bist doch das beste Gold,

das man recht kann brauchen,

darum bin ich dir so hold,

darum will ich tauchen

meine Zunge tief in dich,

tief in deine Wellen,

denn ich weiß schon, dass sie mich

wohl zufrieden stellen.

 

Aus den Magen  in den Kopf,

springst du so behände

als in einen hohlen Topf,

kletterst an die Wände;

und willst immer oben naus,

machst ein solches Lärmen,

dass bei uns das ganze Haus

hebet an zu schwärmen.

 

Nun so tanz mein lieber Wein,

tanz in deinem Glase,

tanze weil wir lustig sein,

tanz auch in die Nase.

Durch die Nase tanze fort,

wo du hin kannst kommen,

und so wird uns auf dein Wort

alles Leid entnommen.